Sonntag, 4. Oktober 2015

30 days Writing Challenge - Tag 4

Momentan nehme ich an einer 30 days Writing Challenge von der lieber Vickie teil. Ihr Ansatz ist dabei das Handwerk schreiben eventuell von anderen Seiten zu betrachten und wirklich etwas für sich und das eigene Schreiben dabei mitzunehmen. Diesen Ansatz finde ich unglaublich spannend und fiebere jeden Tag der neue Aufgabe entgegen, die mich erwartet.
Momentan habe ich nämlich große Probleme Sätze auf Papier zu bringen. Ich hoffe das wird dadurch besser. Heute habe ich auch mal wieder etwas längeres geschrieben, wobei es deutlich einfacher ist zu schreiben, wenn man kein Ziel hat, niemanden der es danach beäugt. Das muss ich mir wieder angewöhnen.

Hier also mein Text von Tag 4.
Aufgabe: 
Nehmt eine Szene, mit der ihr noch nicht zufrieden seid, und bei der ihr eine stimmungsvollere Atmosphäre schaffen wollt – sie kann auch aus eurer Rohfassungen oder in ganz alten Manuskripten stammen – und überarbeitet sie hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen.

Ich habe es mir leicht gemacht und eine extrem alte Szene genommen, die aus einer alten Version meines Romans stammt. Die Namen waren damals noch anders und ich hoffe ich habe mich deshalb nirgendwo verschrieben.
Es hat Spaß gemacht die alten Charaktere wieder aufleben zu lassen, auch wenn sie den neuen nicht unähnlich sind. Sie haben nur ihre kindliche Leichtigkeit noch, die sie mittlerweile abgelegt haben. Ich liebe aber hier diese kleine Sticheleien zwischen den Charakteren. Eleanor (später Elean, man merke die Wegrationalisierung der Endung) ist hier erst dreizehn. In meiner Überarbeitung würde ich bei ihr eher auf 15 tippen. Während Jakob (später Jareth) ein Jahr älter ist. Interssant ist hier, dass Eleanor auch schon in der alten Version ein bisschen "gespürt" hat. Jetzt eben nur richtig.

Fun Fact: Ich wollte an einer Stelle schreiben "Licht emittierte". Mein Studium macht mich fertig. Ich muss zu oft über (radioaktive) Strahlung schreiben!


Alte Version
Enttäuscht gingen die beide zu Morgenstern zurück, doch Morgenstern war nicht mehr da. Wo konnte sie nur sein? Eleanor lief zu dem Felsvorsprung, wo sie Morgenstern zurück gelassen hatte. Komischer Weise hing ein Stück von dem Zügel an dem Felsvorsprung, der direkt in die Felswand hinein führte.
Sie sah Jakob verwundert an. Er schien genauso ratlos wie sie. Mutig streckte Eleanor ihre Hand aus und die Hand verschwand in der Wand. Plötzlich fühlte sie Morgensterns Fell. Sie trat einen Schritt nach vorne und nun tauchte auch ihr Kopf durch die Wand. Hier stand Morgenstern und hatte zwischen den Steinen offensichtlich ein wenig Gras. Dann spürte sie, wie Jakob hinter ihr auftauchte.
Eleanor und Jakob standen in einem steinernen Gang, eher ein Höhlengang. An der Wand brannte eine Fackel. Sonst war der Gang vollkommen schwarz. Eleanor grauste es , doch Morgenstern schien es hier zu gefallen. Eleanor spürte Jakobs Angst genau.
„Müssen wir hier rein gehen?“, fragte Eleanor.
„Ich glaube schon, wenn wir das Eisschwert finden wollen.“
Jakob schluckte. Eleanor nahm mit zitternder Hand die Fackel vom Halter.
Bloß keine Angst haben! Bloß keine Angst haben!
Langsam kamen sie voran. sie konnten vor ihnen nur 1m weit sehen. Morgenstern wurde hinter ihnen immer kleiner und verschwand schließlich, als sie um eine Ecke bogen.
Eleanors Herz klopfte wie wild. Langsam wurde ihr schlecht vor Angst.
„Da hinten ist Licht!“, rief Eleanor erleichtert. Sie fing an zu rennen. Jakob rannte hinter ihr her, dem Licht immer weiter entgegen.
Sie stand in einem hohem, kreisrunden Raum. Im oberen Teil des Raumes waren Fenster, durch die Sonnenlicht einfiel. In der Mitte war eine metallene Wendeltreppe, die sich bis zur Decke des Raumes hinauf wand. Eleanor und Jakob sah sich um.
„Hier ist kein anderer Ausgang“, stellte Eleanor fest.
„Ich glaube, wir müssen da hoch.“ Jakob deutete Auf die Treppe.
„Ich habe aber Höhenangst!“, maulte Eleanor.
„Bist du ein Angsthase oder ein Krieger?“, fragte Jakob grinsend.
„Kriegerin! Wenn ich bitten darf!“, fauchte Eleanor.
„Ist doch egal! Komm schon!“
Jakob sprang auf die Treppe. Eleanor blieb erst wie angewurzelt stehen, doch dann folgte sie ihm.
Die Treppe war lang und es dauerte knapp eine dreiviertel Stunde, bis sie oben waren. Hier oben führte ein hellerleuchteter Gang wieder in den Berg hinein.
„Scheint so, als ob es hier weiter geht!“, meinte Jakob und deutete auf den Gang.
Eleanor nickte und die beiden folgten dem Gang.
Die Aufregung stieg in Eleanor hoch. War hier das Eisschwert versteckt? Bitte! Bitte lass es hier sein!
Die beiden kamen in eine große Kammer. Fackeln beleuchteten den Raum und die Wänden waren mit Wandbemalungen geschmückt. In der Mitte stand ein steinerner Altar, über dem ein hell leuchtendes Schwert. Auf dem Griff schimmerten hellblaue Edelsteine im schwachen Licht der Fackeln.
Das Eisschwert!
Doch Eleanors Freude hielt nicht lange an, denn plötzlich spürte Eleanor die kalte Macht, die von ihm ausging.
„Du holst es!“, sagte sie zu Jakob.
„Nee! Du!“
„Du!“
„Du!“
„Du!“
„OK. Wir losen. Stein, Schere, Papier?“, meinte Jakob schließlich.
Eleanor nickte. Die beiden losten. Immer ging es unentschieden aus. Doch beim zehnten Mal...
„Ja, ich hab‘ gewonnen!“, rief Jakob.
Eleanor sah betreten drein.
„Du musst gehen!“, sagte er.
Eleanor fand das unfair. Sie hatte ja nur knapp verloren. Wer konnte denn wissen, dass Schere Papier schneidet?
Eleanor ging nun mit zittrigen Beinen auf den Altar zu. Das Schwert schimmerte bedrohlich. Ihr Herz klopft unaufhörlich und ihr Hals schnürte sich zu. Sie streckte langsam die Hand aus und schaute sich noch ein mal zu Jakob um, der nickte. Eleanor holte tief Luft, fasste ihren ganzen Mut zusammen und zog die Hand zu. Sie spürte wie ihre Hand den metallenen Griff umfasste. Erleichterung durch fuhr sie. Doch dann...
Peng!
Es war wie eine Explosion. Eleanor wurde mit voller Wucht zurück geschleudert und blieb regungslos auf dem Boden liegen. Jakob rannte zu ihr.
„Luk, hast du dir was getan?“
Langsam kam Eleanor wieder zu sich. Sie fühlte sich benommen, doch dann kamen ihr die Gedanken von dem Eisschwert wieder ins Gedächtnis. Sie sah sich um.
„Wo ist das Eisschwert?“, fragte sie.
Jakob sah sich ebenfalls um und zuckte dann die Schultern. Er versuchte ziemlich cool zu wirken, doch Eleanor sah die Besorgnis in seinem Gesicht.


Neue Version
Mit klopfenden Herzen ließ Eleanor ihren Blick über die Lichtung schweifen, wo sie Morgenstern das letzte Mal gesehen hatte. Ihre Augen fuhren über jedes Blatt, über jeden Strauch, um einen Hauch von Morgensterns schneeweißen Fell zu erspähen. Dann blieb ihr Blick an der Felswand hängen, die über ihnen aufragte, denn dort sah sie etwas, dass so nicht sein konnte. Sie blinzelte, unsicher, ob sie nicht richtig hingesehen hatte, doch auf dem matten, grauen Stein glänzte die braune Oberfläche eines Lederzügels. Eleanor legte den Kopf in die Seite und begutachtet diese Bild vor ihren Augen genau, dann trat sie einen Schritt näher. Das eine Ende des Zügels war abgerissen, das andere führte direkt über den Boden in die Felswand. So etwas hatte sie noch nie gesehen.
Das warme Gefühl der Neugierde verband sich mit ihren dumpf pochenden Herzschlägen. Hinter sich hörte sie, wie Jakob das Gestrüpp durchsuchte. Sie brauchte sich dafür nicht umzusehen. Das Rascheln genügte ihr. Nur für einen kurzen Moment, überlegte sie, ob sie etwas sagen sollte, doch sie wollte sich nicht die Blöße vor ihm geben, nicht zu wissen, was das war, was sie sah.
Langsam hob sie ihre zitternde Hand und schob sie vor. In ihrem Kopf malte sie bereits das Gefühl des kalten Steins unter ihren Fingern. Das raue Kribbeln unter den Fingern, wenn sich kleine Körner, vom Fels lösten.
Doch all das spürte sie nicht. Ihre Finger gingen einfach, durch den Felsen vor ihr hindurch und stießen auf etwas Warmes, dessen feine Fasern sie nur zu gut kannte.
„Morgenstern?“, rief Eleanor erschrocken aus und zog Augenblicklich die Hand zurück. Hinter sich hörte sie, wie Jakob in seiner Bewegung inne hielt.
Sie merkte, dass er mit einem Mal neben ihr stand und sie irritiert ansah. „Hast du was gefunden?“, fragte er und folgte ihrem Blick. Der direkt zur Wand führte.
Doch bevor er noch eine zweite Frage stellen konnte, war Eleanor einen Schritt vorgetreten. Sie hatte erwartet, dass sie den Übergang spüren würde, aber es war, als wäre die Wand nie da gewesen. Kaum war ihr Kopf hindurch, sah sie die Felshöhle dahinter, die durch das schwache Licht erleuchtet wurde, dass hinter ihr hinein fiel. Ein leichter Schauer fuhr über ihre Haut. Es roch feucht, beinahe modrig. Direkt neben ihr stand nun Morgenstern und knabberte an ein paar Grashalmen, die zwischen den glatten Steinen hervorwuchsen.Dieser Anblick schien so unreal. Geheime Höhlen waren Inhalt von Kindergeschichten, nicht von Abenteuern. Rasch drehte sie sich um und sah, dass von dieser Seite keine Barriere die Höhle versperrte und Jareth direkt hinter ihr eintrat. Sein Gesicht war missmutig, doch für einen Moment zog der Ausdruck des Erstaunens über sein Gesicht.
„Was ist das?“, fragte er mit schwacher Stimme.
„Eine Höhle, was sonst?“ Dieser Konter sollte locker klingen, doch Eleanor merkte, dass ihre Stimme leicht zitterte. Wenn sie geglaubt hatte, ihr Herz hätte vorher gerast, dann war es jetzt unerträglich geworden. Denn sie wusste, was das hier wirklich war.
„Glaubst du, es ist hier?“ Jakob sah erst zur Decke, dann zu den Wänden, bevor sein Blick auf dem dunklen Gang hängen blieb, der direkt geradeaus führte.
Sie nickte bloß, denn sie glaubte, dass ihre Stimme dieses Mal versagen würde, wenn sie etwas sagen wollte. Ihr Hals war wie zugeschnürt. Gerade noch hatte sie sich mit dem Gedanken abgefunden, dass ihre Suche vergebens gewesen war und jetzt war sie so nahe, dass sie es selbst nicht glauben konnte. Doch dieser Gang war trotz des einfallenden Lichtes so schwarz, dass sie gerade einmal einige Meter hinein sehen konnte. Dann verlor sich der graue Stein langsam ins Schwarze.
„Warte, ich habe Licht“, hörte sie Jakob sagen und hörte das vertraute Klicken seiner Tasche, dann das klirren von Ton auf Holz und schließlich zog er eine dünne Kerze heraus. Mit den Worten „Hältst du kurz?“, drückte er sie ihr in die Hand und entzündete sie kurz danach.
Das war der Anker, nachdem Eleanor gesucht hatte. Sie umklammerte die Kerze, als würde sie ihr in dieser Situation irgendwie helfen können. Das Wachs war zunächst hart, doch je länger sie die Kerze hielt, desto mehr drückten ihre Finger in das Material hinein, sodass sie froh war, als Jakob sie ihr wieder abnahm.
„Los geht’s!“, sagte er.
„Worauf wartest du dann noch?“
Sie gingen bedächtig den Gang entlang. Jakob hielt die Hand vor die Kerze, damit sie von dem Licht nicht geblendet wurden und es ihnen nur den Weg zeigen würde. Doch der Lichtkegel schien so unendlich klein zu sein, gegenüber der Größe der Höhle. Dass Eleanor konnte nicht einmal die Decke erkennen, ließ die Höhle noch enormer wirken. Immer wieder hatte sie das Gefühl, dass sie etwas anderes, als ihre und Jakobs Schritte hören würde, doch es waren nur Echos, die an den Wänden verzerrt und zurückgeworfen wurden. Jedes Knirschen ließ sie zusammenzucken. Das Einzige, was sie jetzt beruhigte war, dass Jakob genauso unsicher war, wie sie selbst. Sie spürte beinahe, wie er zitterte. Doch sollte sie das wirklich beruhigen? Was war, wenn hier wirklich etwas gefährliches auf sie lauern würde. Wäre sie dann nicht sicherer, wenn Jakob ihr mutig zur Seite stehen würde? Freute es sie etwa so sehr, vor ihm nicht wie ein Feigling dazustehen?
Dann bemerkte Eleanor, wie es heller wurde. Erst glaubte sie, dass ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen würden, doch als der helle Punkt vor ihr immer größer wurde, wusste sie, dass dort ein Ausgang war. Ihre Schritte beschleunigten sich. Der Geruch von Bäumen stieg ihr in die Nase. Das musste der Ausgang sein.
Ihre Schritte dröhnten lauter in ihren Ohren und dann stand sie mit einem Male in diesem riesig scheinen Raum. Zunächst blendete sie das Licht, dann sah Eleanor, dass die Höhle sich in ein Gewölbe auftat, dass erst Meterweit über ihren Köpfen zu enden schien. Durch Löcher fiel Licht von oben herein und erhellte in grauen Schleiern eine metallene Wendeltreppe, die bis zur Decke zu reichen schien. Hier meinte sie sogar die Vögel von draußen hören zu können. Ein befreiendes Gefühl legte sich über Eleanors Brust und sie ließ all die angestaute Luft aus ihren Lungen fließen.
„Warum haben wir die Löcher nicht schon viel früher gesehen?“, fragte Jakob. Er blies die Kerze aus, setzte einige Schritte in den Raum und drehte sich auf dem Absatz, während sein Blick nach oben gerichtet war.
„Wahrscheinlich waren sie getarnt, wie der Eingang.“
Jakob sah sie an und ein breites Grinsen, wie sie es von ihm kannte, wenn er sie aufzog, lag auf seinem Gesicht. „Dann können wir ja froh sein, dass du diesen Eingang gefunden hast und nicht die anderen.“
„Sei froh, dass ich überhaupt einen gefunden habe!“ Elean presste die Zähne aufeinander und merkte, wie ihre Backen sich aufbliesen. Deshalb versuchte sie so schnell es ging, ihre Gesichtszüge wieder zu entspannen. Sie brauchte nicht noch mehr Spott. Lieber wandte sie sich wieder der Treppe zu und das zunächst erleichterte Gefühl wandelte sich wieder in dieses beklemmende, dass sie zu gut kannte.
„Sie wurde von Menschen erbaut“, stellte sie fest.
„Dann haben sie das Schwert sicher hierher gebracht“, stimmte Jakob ihr zu und war bereits in drei Schritten auf der Treppe. Als Eleanor nicht folgte wandte er sich um. „Na komm schon!“
Eleanor sog die Luft ein. Sie wollte es ihm nicht sagen und ballte die Hände zusammen. Warum musste sie diese irrationale Angst haben? Ihre Finger verkrampften sich schmerzhaft. Sie biss sich auf die Lippe, spielte etwas damit herum.
Auch wenn sie zur Seite sah, hörte sie Jakobs langsam Schritte, auf den eisernen Stufen, die in dem großen Raum widerhallten. Dann spürte sie seine Wärme, als er direkt vor ihr stand und sie wandte den Kopf, um ihn direkt anzusehen. Ihre Wangen glühten.
„Ich habe Höhenangst, in Ordnung?“, sagte sie so schnell es über ihre Lippen kam.
Seine Augenbrauen hoben sich leicht. „Das wird dich doch jetzt nicht davon abhalten, da hochzugehen?“
Die Hitze ihrer Wangen griff jetzt auf ihren ganzen Körper über. Bis in ihre Fingerspitzen kribbelte es. Sie überlegte nicht, bevor sie antwortete, sondern nahm das erste Wort, dass ihr in den Sinn kam.
„Natürlich nicht!“
Das unsichere Gefühl wurde jetzt vollständig von dieser heißen Glut übertönt, die durch sie floss. Sie würde keine Schwäche zeigen. Nicht vor ihm und besonders nicht jetzt. Ohne ein weiteres Wort, trat sie an ihm vorbei und schritt auf die Treppe zu. Den letzten Gedanken daran, dass die Treppe doch sehr hoch war, schob sie zur Seite und war vollständig vergessen, als ihre Finger das kalte Metall berührten.
Der Aufstieg war erschwerlich, doch die Beiden trieben sich gegenseitig diese Treppe hinauf. Eleanor vermied es hinter zu schauen, während Jakob immer wieder einen Blick hinunter warf und kommentierte. Sie ignorierte seine Kommentare, bis sie oben angekommen waren. Zu ihrer Erleichterung führte hier eine schmale Brücke zu einem Höhleneingang, der scheinbar tiefer in den Berg führte. Doch dieses Mal war dieser in ein blass blaues Licht getaucht, das die Steine schimmern ließ.
Eleanor schauderte, doch sie wusste nicht ob vor Aufregung, Angst oder weil aus dem Gang ein kalter Lufthauch zu kommen schien. Doch egal was es war, all das bestätigte ihre Vermutung. Es gab keinen Zweifel. Das Eisschwert war hier.
Mit jedem Schritt, den sie in den Gang setzten wurde es kälter. Eleanor spürte, wie ihre Haare sich aufstellten und wie die Haut auf ihrem Gesicht von der kalten Luft leicht brannte. Ihre Augen begannen zu tränen und warme, nasse Tropfen rollten ihre Wangen hinab. Die Luft war mittlerweile beißend und roch so klar, wie der Winter. Es war, als fühlte sie das Schwert bereits.
Dennoch stockte ihr Atem für einen Moment, als der Gang breiter wurde und das Schwert in seiner vollen Pracht endlich vor ihren Augen war. Ihre Gesicht schmerzte vor Kälte, als sie die Augen zusammenkniff um es genauer zu betrachten. Seine silberne Oberfläche war spiegelglatt und warf das helle Licht, dass es auszusenden schien immer wieder zurück in den Raum, was ein beruhigendes tanzen von Lichtperlen erzeugte. Beinahe sah es aus, als wäre es wirklich aus Eis geschmiedet worden. Seinen Griff zierten dunkelblaue Edelsteine, die im Vergleich zu dem Metall beinahe matt schienen. Das Schwert schwebte einige Handbreiten über dem Boden.
Eleanors Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Ihr Herz schien still zu stehen. Von Kopf bis Fuß durchzog sie der eiskalte Schauer beim Anblick dieses Schwertes. Ihr Kopf befahl ihr, direkt auf dem Absatz kehrt zu machen, doch ihr Körper blieb starr dort stehen, als wären ihre Füße auf dem Boden festgewachsen.
„Hol du es“, flüsterte sie. Aus einem für sie selbst unverständlichen Grund, hatte sie das Gefühl, jemand würde ihnen zuhören.
„Nein.“ Jakob lachte trocken, doch brüchig. Er musste das gleiche wie sie fühlen. Warum sollte es anders sein?
Eleanor blinzelte, weil die Kälte in ihren Augen wehtat. Sie waren so weit gekommen. Jetzt durften sie nicht aufgeben. Doch wenn Jakob es nicht holen würde, dann musste sie es tun.
Ein Blick zur Seite verriet ihr, dass Jakob ebenfalls vor Angst gelähmt war. Vollständig aufrecht stand er da, während seine Augen leicht zuckten. Sie musste es tun.
In einem tiefen Zug atmete sie ein und merkte bereits, wie es immer schwerer wurde zu atmen. Ihr Hals schnürte sich immer mehr zu, bis sie keine Luft mehr bekam. Jetzt oder nie. Gegen all ihre Instinkte zwang sie ihre Hand nach vorne zu greifen. Ihr Arm fühlte sich wie schwer wie Blei an. Wie in Zeitlupe bewegte er sich, bis ihre Finger das Schwer berührten. Doch es war nicht kalt, wie Eis, sondern fühlte sich an, als hätte es die gleiche Temperatur, wie sie selbst. Für einen Moment hatte sie das Gefühl als wäre das was sie tat, etwas vollkommen alltägliches. Dann kam der Schmerz, der von ihren Fingerspitzen in ihren Körper hinaufjagte. Sie schrie auf. Gleißendes Licht blendete ihre Augen. Ein Schritt zurück und sie verlor die Kontrolle über ihren Körper. Schmerzhaft schlug sie auf dem Steinboden auf und kniff die Augen zusammen. Ihre Arme hatte sie vor dem Körper verschlungen. Immer noch spürte sie das taube Gefühl des Schmerzes.
In der Stille um sie herum, hörte sie plötzlich Jakob. Dann fühlte sie seine kalten Hände auf ihren Armen. „Eleanor!“, rief er und schüttelte sie leicht.
Langsam öffnete sie die Augen. Der Raum war vollständig dunkel und nur schemenhaft erkannte sie sein Gesicht. Doch noch bevor sie selbst realisieren konnte, was das bedeutete, sprach Jakob es bereits aus.
„Das Eisschwert ist verschwunden.“

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