Mittwoch, 29. Juni 2016

Mit Liebe und viel Alkohol gegen Dämonen und andere böse Wesen 2 - Kapitel 14





Eine große Hilfe

Gib Emil das Handy.
Der Text stand auf den Display so deutlich, als wäre er in Stein gemeißelt. Im ersten Moment dachte Emil, es sei ein Trick, als plötzlich das Handy erneut „plopte“ und ein weiterer Text darunter erschien.
Ich habe deine Freundin
Ina beugte sich nach vorne über das Handy. „Welche Freundin? Das muss ein Fehler sein. Ich bin doch hier!“
Lilian, stellte das Handy klar. Das Teil hat die Nachricht zu früh abgeschickt!
Immer noch starrte Emil das Handy an. Das konnte nur ein blöder Trick sein. Lilian war niemand der sich entführen ließ. Außerdem war es unmöglich, dass jemand wissen konnte, dass Emil gerade hier war. Außer-
„Ein Seher“, murmelte Emil.
„So wie Martin einer ist?“
„Aber warum behauptet er Lilian zu haben?“ Noch bevor Emil die Frage ausgesprochen hatte, formte sich die Antwort in seinem Kopf. „Der Nekromant ist ein Seher.“

Samstag, 28. Mai 2016

Lange Pausen

Jeder kennt es. Irgendwann schlägt das Leben wieder zu und man hat so viel um die Ohren, dass man zu nichts mehr kommt. Man macht nur noch, was gerade dringend ist und alles andere, besonders andere Hobbies bleiben außen vor.
Auch wenn ich in letzter Zeit immer wieder an einem Romanprojekt gearbeitet habe und Kapitel fertiggestellt habe, bin ich wenig vorran gekommen.
Ich hatte lange Blockaden, weil sich Situationen im Text nicht lösen ließen und ich unzufrieden mit dem war, das mich erwartete, wenn ich weiter schreiben würde.
Neue Ideen bringen dann wieder schwung rein und besonders bei "Mit Liebe und viel Alkohol gegen Dämonen und andere böse Wesen" hat es sehr lange geaudert, bis dieser Knoten geplatzt war.
Ich hatte mich in eine Sackgasse geschrieben. Mochte die Szene nicht, in der ich mich befand. Fand die Auflösung zu banal und merkte, dass die Geschichte eigentlich viel länger werden sollte, ich aber zu schnell zum Höhepunkt der Handlung zulief.
Als mir dann klar wurde, dass der Höhepunkt vielleicht nicht das eigentliche Ende der Geschichte sein muss und ich aus dessen Folge dann auch die Szene, die mich störte hatte, endlich gestrichen hatte, ging es wieder vorran. Die Ideen fließen wieder. Ich kann gar nicht abwarten die Ideen umzusetzen!

Sonntag, 27. März 2016

Romantik vs. Realität

Wie funktioniert Romantik in Büchern und Filmen und wie realistisch ist ihre Darstellung?
Seit ich selbst angefangen habe, auch längere Romanzen zu schreiben, hat mich das Thema "Romantik" nicht mehr losgelassen und mir ist so einiges klar geworden. Warum Liebesgeschichten funktionieren und warum so viele keine Liebesromane mögen. Zum Valentinstag habe ich mich in einem Essay mal darüber ausgelassen. Den ganzen Text findet ihr auf der Seite des Bücherstadt Kuriers.

Romantik vs. Realität

Romantik ist ein Konstrukt. Sie ist etwas, das wir selbst erschaffen aus dem, womit wir uns wohlfühlen. In Liebesbeziehungen suchen wir nach Geborgenheit, nach dem Gefühl gebraucht zu werden, nach Sicherheit oder Stabilität. Romantik gibt uns diese Gefühle und unterstreicht damit die Beziehung, die wir führen. Ob wir einen ruhigen Abend verbringen oder einem schönen Naturschauspiel beiwohnen, tun wir dies mit unserem Partner, fühlen wir uns wohl und erwarten, dass es romantisch ist. Die Medien zeichnen uns ein festes Bild von dem, was romantisch ist und dieses Bild wollen wir auch leben, weil wir glauben, dass es sich auf diese Weise gut anfühlt. Doch das Konstrukt von Romantik aus Büchern und Filmen ist weit von der Realität entfernt.

 Weiterlesen auf https://buecherstadtkurier.com

Dienstag, 15. Dezember 2015

Der lange Weg nach Unten


Diese Kurzgeschichte ist im Rahmen eines Zirkelprojektes entstanden. Die Aufgabe war es eine Szene zu einem Lieblingslied zu schreiben. Ich habe mich für "Long way down" von Robert DeLong entschieden. Einfach weil es einen sehr starken Beat hat und  eine kryptischen Text, der mir nicht zu viel Arbeit abnimmt. Und ich mag das Lied.
Das Lied findet ihr zum Beispiel hier.

Der lange Weg nach Unten

Es war das erste Mal seit drei Jahren, dass sich die Männer wiedersahen. Der Anblick des dunkelhaarigen Mannes in der Uniform der Rebellen, ließ ein Grinsen über Renars Gesicht ziehen. Renar zog noch einmal tief durch die Pfeife ein und schmeckte die Süße auf seiner Zunge. Dann legte er diese zur Seite und lehnte sich mit angespannten Muskeln in seinem Schreibtischstuhl zurück.
„Was willst du hier?“ Renar wusste, was es bedeutete, wenn Krest hier einfach reinmaschierte. Er musste diverse Sicherheitskontrollen überwunden haben und Renar war sich sicher, dass er dabei niemanden verschont hatte.
Die Tür fiel krachend hinter Krest ins Schloss. „Ich will reden.“

Montag, 14. Dezember 2015

Kerzenlicht

Für den Bücherstadt Kurier Adventskalender habe ich mich mal wieder an etwas Weihnachtliches gesetzt und eine Kurzgeschichte geschrieben. :) Man merkt glaube ich an dem Text, dass ich momentan sehr viel um die Ohren haben. An allen Stellen gibts was zu tun und meine freiwilligen Tätigkeiten halten mich ganz schön auf Trab. Dabei habe ich mir noch wenig Gedanken über Weihnachten selbst gemacht.
Man nennt es zwar Weihnachtsstress, aber ich glaube am Ende des Jahres fällt mit einem Mal einfach viel zu viel gleichzeitig an. Letztens in der Bahn hat es das Mädchen neben mir sehr treffend in den Chat auf ihrem Handy geschrieben: Im Dezember werden die Tage immer "kürzer". 
Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine weihnachtsliche Geschichte über eine besinnlichen Weg mit dem Stess umzugehen.


Kerzenlicht

Der Papierstapel wollte einfach nicht kleiner werden. Ich zog das oberste Blatt hinunter und begann damit, die Daten darauf in den Rechner zu übertragen. Name, Geburtsdatum, Adresse, dann einen Haken bei den entsprechenden Punkten setzen.
Vor Weihnachten kamen immer besonders viele Formulare rein. Vielleicht weil die Leute in dieser Zeit anders lebten? Dabei war es doch nicht anders, als jede andere Zeit im Jahr. Bis auf den Stress, den man sich machte, um für jeden ein Geschenk zu bekommen.
Da würde ich morgen auch noch durch müssen. Dabei hatte ich doch überhaupt keine Idee, was ich verschenken sollte. Schon der Gedanke daran, sich durch überfüllte Käufhäuser schieben zu müssen, verdarb mir die ohnehin schon schlechte Laune. Sogar für Internetbestellungen war es jetzt schon zu spät.
Die Deckenleuchten im Büro waren bereits erloschen und nur die Schreibtischlampe tauchte die Formulare in gelbes, körniges Licht. Ich versuchte die krakelige Handschrift auf dem Papier zu erkennen. Ich hatte heute schon so viel Namen gelesen, dass sie mir mittlerweile alle gleich vorkamen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

30 days Writing Challenge - Tag 4

Momentan nehme ich an einer 30 days Writing Challenge von der lieber Vickie teil. Ihr Ansatz ist dabei das Handwerk schreiben eventuell von anderen Seiten zu betrachten und wirklich etwas für sich und das eigene Schreiben dabei mitzunehmen. Diesen Ansatz finde ich unglaublich spannend und fiebere jeden Tag der neue Aufgabe entgegen, die mich erwartet.
Momentan habe ich nämlich große Probleme Sätze auf Papier zu bringen. Ich hoffe das wird dadurch besser. Heute habe ich auch mal wieder etwas längeres geschrieben, wobei es deutlich einfacher ist zu schreiben, wenn man kein Ziel hat, niemanden der es danach beäugt. Das muss ich mir wieder angewöhnen.

Hier also mein Text von Tag 4.
Aufgabe: 
Nehmt eine Szene, mit der ihr noch nicht zufrieden seid, und bei der ihr eine stimmungsvollere Atmosphäre schaffen wollt – sie kann auch aus eurer Rohfassungen oder in ganz alten Manuskripten stammen – und überarbeitet sie hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen.

Ich habe es mir leicht gemacht und eine extrem alte Szene genommen, die aus einer alten Version meines Romans stammt. Die Namen waren damals noch anders und ich hoffe ich habe mich deshalb nirgendwo verschrieben.
Es hat Spaß gemacht die alten Charaktere wieder aufleben zu lassen, auch wenn sie den neuen nicht unähnlich sind. Sie haben nur ihre kindliche Leichtigkeit noch, die sie mittlerweile abgelegt haben. Ich liebe aber hier diese kleine Sticheleien zwischen den Charakteren. Eleanor (später Elean, man merke die Wegrationalisierung der Endung) ist hier erst dreizehn. In meiner Überarbeitung würde ich bei ihr eher auf 15 tippen. Während Jakob (später Jareth) ein Jahr älter ist. Interssant ist hier, dass Eleanor auch schon in der alten Version ein bisschen "gespürt" hat. Jetzt eben nur richtig.

Fun Fact: Ich wollte an einer Stelle schreiben "Licht emittierte". Mein Studium macht mich fertig. Ich muss zu oft über (radioaktive) Strahlung schreiben!

Sonntag, 7. Juni 2015

Mit Liebe und viel Alkohol gegen Dämonen und andere böse Wesen 2 - Kapitel 13

 




Mehr oder weniger glückliche Zufälle

 
„Ina Merzenich.“
Das war Inas Stimme. Daran zweifelte Emil nicht. Doch er war wie erstarrt und bekam keinen Ton heraus.
„Hallo?“, fragte Ina am anderen Ende, weil sich niemand meldete.
Emil öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch dann knackte die Leitung und das übliche Hintergrundrauschen verschwand.
„Ina?“, schaffte Emil endlich zu sagen, doch sie hörte ihn nicht mehr, denn der Anruf war beendet. Das sagte ihm das Display. Er konnte es einfach nicht glauben.
Mit rasendem Herzen wählte er die Nummer erneut, doch es kam kein Freizeichen mehr.
Verzweifelt versuchte er es noch dreimal und mit zwei verschiedenen Telefonhörern im Haus. Dann hielt er inne, als er den Blick aus seinem Zimmerfenster im ersten Stock  richtete und er unten im Garten den Mann erblickte. Das war der Seher. Er war es, der die Telefonleitung blockierte.
Alles in Emil zog sich zusammen und er fühlte sich, als würde er im nächsten Moment explodieren. Egal welche Gründe es hatte. Der Seher hielt ihn einfach davon ab herauszufinden, was los war, und er konnte nichts daran ändern. Warum tat er das? Was gab ihm das Recht ihm jetzt auch noch das telefonieren zu verwehren? So konnte er niemals herausfinden, was hier los war. Warum konnte Ina immer noch ans Telefon gehen? Warum war sie wie immer? War ihr nichts geschehen? Hatten sie nur ihr Gedächtnis gelöscht? Aber wo war dann Martin?
Genervt klopfte Emil gegen die Scheibe. Der Seher sah auf und schüttelte wie schon am Morgen nur den Kopf. Emil verzog das Gesicht zu einer Grimasse und drehte sich um. Etwas stimmte nicht. Warum sollte er nicht mit Ina reden? Er hätte ihr doch niemals alles erzählt. Das Risiko wäre zu hoch gewesen. Warum also, konnte er sie nicht mehr erreichen. Sie war doch eben noch am Telefon gewesen.
Emil ballte die Hand um das Telefon zu einer Faust. Er musste herausfinden, was passiert war. Doch er konnte dieses blöde Haus nicht verlassen.
Oder konnte er es doch? Mit der freien Hand langte nach dem Fenstergriff. Er versuchte ihn zu drehen, doch er war wie fest zementiert und ließ sich wie die Tür unten nicht öffnen. Aber es musste doch irgendein Fenster geben, das nicht verschlossen war. Sofort drehte er sich um und stürmte nach unten. Doch schon beim zweiten Wohnzimmerfenster zuckte er zurück, als der Seher direkt von der anderen Seite davor stand und wieder nur den Kopf schüttelte.
Diesmal fiel Emil der niedlichen Katzenaufdruck auf seinem T-Shirt direkt auf und beruhigte ihn sofort. Doch dann ließ ihn das Geräusch, der Tür, die im Flur aufging und wieder ins Schloss fiel, aufhorchen. Alarmiert spannten sich alle Muskeln in seinem Körper. Er sah zu dem Seher, den es scheinbar wenig interessierte, das jemand gerade ins Haus gekommen war. Das bedeutete hoffentlich, dass es nur eines seiner Elternteile war, die frühzeitig nach Hause gekommen waren
Mit unsicheren Schritten ging Emil zur Tür hinüber, die in den Flur führte und sah um die Ecke. Verwunderte erblickte er seine Mutter am anderen Ende des Flurs, die ihn genauso erstaunt anstarrte. Sie trug ein hellgraue Kostüm von dem sogar Emil wusste, dass seine Mutter so etwas nie tragen würde.
Noch bevor Emil einen klaren Gedanken fassen konnte, legte die Person, die vorgab seine Mutter zu sein, den Finger auf die Lippen. Sie hielt ein DinA4 Blatt hoch mit den Worten:
 Ich bin nicht deine Mutter.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Ausgespukt - Geister waren auch nur Menschen

Nach einer sehr verrückten Idee, während einer sehr stumpfen amerikanischen Geisterdoku, kommt jetzt ein etwas anderes Kapitel über Geiter.

~*~*~*~*~*~

Sie sind unter uns. Geister entsteigen ihren ehemaligen Körpern und geistern am Ort ihres Todes herum. Doch wenn das Leben nach dem Tod weiter geht – dann braucht man eine Beschäftigung!


Abreise

Nachdem Jan den letzten Umzugskarton im Wagen verstaut hatte, ging er mit gemischten Gefühlen noch einmal zurück, um seine Jacke zu holen. Heute war der Tag, an dem er schlussendlich aus seinem Elternhaus ausziehen würde. Seit er an der Uni angenommen wurde, wusste er, dass er ausziehen würde, doch dass es so schnell kommen würde, hätte er nicht gedacht. Beinahe fühlte es sich an, als würde er nie wieder hierhin zurück kommen. Das kleine zweistöckige Haus kam ihm so vertraut vor. Seit er denken konnte, wohnte er hier und jetzt würde sich das alles ändern.
Während seine Eltern im Auto warteten, schloss er die Tür auf und trat in den Flur. Es drehte ihm den Magen um. Abschied nehmen hieß es, aber gleichzeitig brannte er innerlich auf das Neue, das ihn erwarten würde.
Doch bevor er die Hand nach seiner Jacke ausstrecken konnte, die an der Garderobe hing, schlang sich etwas kaltes um seinen Hals und Schultern, sodass er schlagartig in der Bewegung inne hielt. Ein ohrenbetäubend laute Stimme heulte in sein Ohr:

Mittwoch, 6. Mai 2015

Mit Liebe und viel Alkohol gegen Dämonen und andere böse Wesen 2 - Kapitel 12





Alles der Reihe nach

Nur eine einzige Frage schwirrte in Emils Kopf herum: Was machen wir jetzt? Doch es wollte nicht über seine Lippen kommen. Er wollte die Antwort überhaupt nicht hören. Er wollte nicht, dass Martin ihm sagte, dass die Seher jetzt Ina abholen würde und erst recht wollte Emil nicht wissen, was sie mit ihr machen würde. Auch nicht, was er selbst dann tun müsste. Er wollte nicht Schuld sein, dass es dazu kommen musste.
Doch auch wenn er es nicht aussprach, so beantwortete Martin ihm dennoch, als sie den Park verließen, die Frage, die ihm immer wieder im Kopf herumschwirrte: „Wir müssen auf den schnellsten Weg zu dir.“
„Warum?“ Das war ein Reflex. Emil hatte mit jeder Antwort gerechnet, nur nicht mit dieser. Eigentlich war ihm die Antwort klar:
„Du bist das Ziel. Es könnte alles passieren, deshalb musst du in Sicherheit sein.“
„Warum nehmen wir Lilian dann nicht mit?“
Martin blieb für einen Moment stehen. „Was für eine Ausrede hätte ich mir denn einfallen lassen sollen, damit sie mitkommt?“ Als wüsste er, dass Emil nicht antworten würde, redete er weiter: „Sie kann später nachkommen. Alles der Reihe nach. Erst du.“
Emil wollte ihm widersprechen, doch dieser Drang war irrational. Martin hatte Recht. Es war das vernünftigste, dass Martin und die Seher sich darum kümmerten. Emil hatte keine übernatürlichen Fähigkeiten, die ihm in dieser Situation hätten helfen können. Im Grunde hatte er überhaupt keine Fähigkeiten. Er war nicht wie Martin und Lilian. Sein Platz war in der realen Welt und er war der Magie voll und ganz ausgeliefert. Die letzte Zeit hatte er so viel über die magische Welt gelernt, dass er sich fast drin verloren hätte, doch das war nicht er. In der Realität wollte ein Nekromant seinen Tod und Emil hatte ihm nichts entgegen zu setzten.
Er sagte nichts mehr, als sie den direkten Weg zu seinem Haus nahmen. Auch Martin schwieg. Sein Kopf wandte sich nur immer wieder hektisch um. Das verunsicherte Emil. Wenn Martin das tat, war er sich selbst nicht sicher, ob seine hellseherische Fähigkeit ihm die Sicherheit gab, die er brauchte.
Doch schlussendlich kamen sie ohne größere Zwischenfälle bei Emils Haus an. Sie hatten nicht nur die roten Ampeln ignoriert, Martin hatte Emil sogar über viel befahrende Straßen geschleift, ohne das nur ein Auto abbremsen musste.
Das erste, was Emil bereits vom Weitem auffiel, war dass zwei Personen vor der Eingangstür warteten. Es waren zwei Männer, von denen Emil nur einen schon einmal gesehen hatte. Es war der Mann, der beim dem Fleischmonster Unfall mit Elisa gekommen war, um aufzuräumen. Der von den beiden, der nicht wie ein Man in Black mit einem schwarzen Anzug herum gelaufen war. Heute trug er auch wieder nur ein schwarzes T-Shirt mit einem niedlichen Katzenaufdruck und blaue Jeans.
Den zweiten Mann kannte Emil nicht, doch er vermutete, dass es sich bei ihm wie bei dem ersten Mann um einen Seher handelte. Martin grüßte die beiden kurz mit einer Handbewegung, sagte aber nichts, bis er und Emil vor den beiden standen.
„Sofort?“, fragte Martin überrascht. Das war die Antwort auf ein Gespräch, dessen Anfang Emil mal wieder verpasst hatte, weil sowohl Martin, als auch die Männer den Verlauf bereits kannten und Martin wohl nur aus Versehen, dieses Wort laut ausgesprochen hatte.
Emil war Martin einen irritierten Blick zu. Was war sofort oder musste sofort? Er kannte nicht einmal das Verb dazu.
Martin nickte nur und öffnete mit der linken Hand die Haustür. Während Emil sich noch fragte, warum die Tür nicht verschlossen war oder ob Martin sie mit einem Trick geöffnet hatte, wandte dieser sich an Emil:
„Es scheint dringend zu sein. Wir müssen gleich los.“ Er hielt die Tür auf. „Aber du bleibst hier. Geh ins Haus und verlasse es nicht. Bernd wird das Haus bewachen. Du wirst hier sicher sein.“
„Wo geht ihr hin?“, fragte Emil verdattert und starrte erst zur Tür dann zu Martin.
„Erst zum Rat, dann wahrscheinlich zu Ina nach Hause.“ Bei den letzten Worten wurde Martin stiller.
Die Worte fielen Emil schwer, denn immer noch konnte er sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass es Ina sein sollte, die versucht hatte, ihn umzubringen. Er schluckte, dann sprach er aus, was er dachte: „Wie lange wird das dauern?“
„Weiß ich nicht. Ich werde mich bei dir melden. Bleib einfach hier.“
Emil merkte, dass Martin und auch der Mann neben ihm unruhiger wurden, doch eine Frage, war da noch: „Internet ist aber schon erlaubt, oder?“
„Klar!“ Martin grinste kurz, dann wurde er wieder ernst. „Bis später.“ Er nickte kurz in Richtung Tür. Emil folgte seiner Anweisung und ging ins Haus.
Er wollte etwas sagen wie „viel Erfolg“ oder „Pass auf dich auf“, doch das schien unglaublich unpassend in dieser Situation. Also sagte er einfach gar nichts, als die Tür vor ihm schon ins Schloss fiel. Er war allein. Keine Geräusche waren aus dem Haus zu hören. Seine Eltern waren beide noch bei der Arbeit.
Einige Sekunden stand er noch da und lauschte der Stille im Haus. Er hörte das gewohnte Knacken der Wände und das Summen des Kühlschranks.
War er hier wirklich sicher? Doch es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Sehern zu vertrauen. Nach einiger Zeit des „In-die-Gegend-Starrens“ drehte er sich um und ging die Treppe zu seinem Zimmer hoch.
Er wollte einfach nicht mehr daran denken, was gerade passierte. Das war zu viel für ihn.

Das Zocken lenkte ihn ab. Nachdem er zunächst versucht hatte, sich die kreisenden Gedanken in Battlefield 2142 zu vertreiben und schnell feststellen musste, dass das Spiel ihn immer nur kurzzeitig ablenken konnte, öffnete er Teamspeak, um zu schauen, ob jemand online war, der mit ihm spielen würde.
Tatsächlich waren zwei Leute seiner World of Warcraft Gilde on, die er nur als „Shemmen“ und „Ratah“ kannte. Nach einigen kurzen Erklärungen, wo er die letzten Wochen gewesen war und einigen Glückwünschen zur Freundin, überredeten sie ihn, sich in WoW einzuloggen.
Auch wenn Emil es am Anfang total sinnlos fand, den beiden beim Farmen eines seltenen Items zu helfen, so merkte er doch schnell, dass es ihm mehr ablenkte als die Battlefield-Runden zuvor. Die beiden redeten viel und scherzten so viel, dass Emil sich von ihrer guten Laune anstecken lies.
Als später mehr und mehr Mitglieder ihrer Gilde online kamen, beschlossen sie sogar spontan doch noch zu raiden.
Auch wenn viele Emil fragten, wo er denn gewesen wäre, nahm ihm das keiner Übel, als sie die Gründe hörten. Emil tat das unglaublich gut. Er fragte sich sogar, warum er so lange nicht online gewesen war.
Nur beiläufig hörte er, dass seine Eltern einzeln am Abend wiederkamen. Das Abendessen übersprang er. Er holte sich nur schnell ein paar Scheiben trockenes Brot und ein Stück Käse aus der Küche, sagten seine Eltern Guten Abend und verschwand wieder auf seinem Zimmer.
Den Mann, dessen Schatten er vom Fenster aus sehen konnte, bemerkte Emil zwar, dennoch kamen die verwirrenden Gedanken des nachmittags nicht zurück. Dafür war er viel zu vertieft in die Taktik für den nächsten Boss.

Donnerstag, 26. März 2015

Leipziger Buchmesse LBM 2015

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal auf der Buchmesse in Leipzig. Ich hatte bis dahin nur gutes davon gehört und ich wurde nicht enttäuscht. Es stimmt was alle sagen, die Leipziger Buchmesse ist ein ganz besonderes Ereignis im Jahr und deshalb wollte ich es mir auch dieses Jahr nicht nehmen lassen dort hin zu fahren.
Allerdings war ich auch, wie letztes Jahr, geschäftlich unterwegs. Ich schreibe nebenbei für ein Online Magazin, den Bücherstadt Kurier. Zum Anlass der LBM haben wir uns alle in Leipzig getroffen und sind motiviert ans Werk gegangen. Die meiste Zeit war ich also nicht als Autorin unterwegs, sondern als Reporterin, was ich genauso gerne mache.
Die Buchbranche ist für einen Hobbyautor eine schwarze Kiste, in die er seine Texte ablegen möchte, für eine Repoterin hingegen ist sie ein großes Haus mit jede Menge offenen Fenstern und interessanten Räumen, die alle anders sind und unterschiedlichsten Bewohnern. Natürlich sollte sie das für einen Autor auch sein, aber ohne Vorwissen erscheint uns die Buchbranche doch immer nur groß und unbekannt.
Da es von mir nur komische Selfies und ein Bild gibt, wo ich einen Oreo im Mund habe und deshalb zwar seriös eine Zeitschrift lese, aber dennoch dämlich drein schaue, gibt es ein neutrales Bild von der Lesung von Jenny Mai Nuyen auf der Fantasyleseinsel mit einem interssierten, bunt gemischten Publikum.
Die Leipziger Buchmesse ist der Ort, wo alles zusammen kommt: Autoren, Verläge, Lektoren, Illustratioren, Agenten, Kritiker, Leser. Es ist ein bunter Haufen, voll mit den unterschiedlichsten Charakteren und Erwartungen und meistens ist dieser Haufen bunt gemischt. 
Keiner mag Leute, die sich für etwas besseres halten, leider gibt es davon immer welche, aber auf der Buchmesse gibt es so viele Menschen, die offen sind, die wirklich noch Spaß an Büchern haben, dass eine ganz andere Atmosphäre entsteht. Wenn man sich darauf einlässt, kann man viel lernen, sich mit Verlägen unterhalten und mit Autoren. Viele freuen sich auch darüber. Es ist ein Geben und Nehmen.
Natürlich trifft man auch auf unfreundliche Menschen. Mitarbeiter, die einen komisch angucken, wenn man ihnen ein Kärtchen in die Hand drückt oder sich einfach nicht verantwortlich fühlen. Auf der anderen Seite aber auch sehr gesprächige Personen mit denen man sich austauschen kann.
Ich war erstaunt, dass wir es geschafft haben, einige spontane Interviews mit Autoren zu vereinbaren. 
Es gab neben den unzähligen Lesungen, auch viele Vorträge über die Buchbranche, zum Selfpublishing oder aktuellen Themen. Das kann spannend oder total langweilig sein. Aber die spannenden, lebendigen Vorträge sind es, die einem im Gedächtnis bleiben.
Ich erinnere mich gerne an den Vortrag mit einer Literaturagentin, die gefragt wurde, ob sie auch ein Buch vertreten würde, wenn der Autor da 20 Jahre dran geschrieben hätte und wahrscheinlich kein zweites mehr schreiben würde. Sie lachte und antwortete ehrlich: Wenn es sich verkauft, warum nicht?
Die LBM ist eine Ansammlung von sozialer Interaktion. Es kann daran liegen, dass ich als Pressse da war, aber auch so fand ich mich immer wieder in Situationen wieder, in denen ich mit fremden Menschen reden musste. Ob beim Kärtchenabgeben, dass schließlich zur Routine wurde oder beim Bloggertreffen. Wenn man jemand anderen vorschicken kann das Eis zu brechen, geht das natürlich noch einfacher. Normalerweise bin ich fremden Menschen gegenüber extrem schüchtern, aber das legt man irgendwann ab, wenn man das ein paar Mal hintereinander macht. Leider hält das dann aber auch nur einen Tag oder zumindest eine Messe lang an.
Auch gibt es bei der LBM viele Cosplayer, von denen kennt man ja, dass sie offen sind, sodass man schon mal ab und an an einem Stand ein oberflächliches Gespräch anfängt. 
Als Autorin habe ich mich nur mal nach den kleinen Fantasyverlägen umgeschaut. Durch die Lockerheit des SERAPH-Preises mal wieder ermutigt, habe ich mir dann auch mal das Programm der Verläge in eigener Sache angeschaut. Es gibt so coole kleine Verläge in Deutschland, die anders als die großen Verläge auch sehr spannende Sachen drucken, die vom Mainstram abweichen.
Das beste am SERAPH war übrigens, dass die Reden immer sehr witzig waren und dass es danach Sekt und Cupcakes für alle gab. Die Cupcakes waren unglaublich lecker. Da kann der Preis der Leipziger Buchmesse nicht mithalten!
Außerdem war ich froh nur donnerstags und freitags dort gewesen zu sein. Der Donnerstag ist immer der beste Tag. Man kann durch die Gänge laufen, ohne das man an anderen Menschen aneckt. Freitags ist das leider schon nicht mehr so. Man muss sich ab und an durch die Gänge schieben. Samstags wird das dann nur noch schlimmer. Ich war sehr froh, dass sie Freitag noch nicht von den "Einbahnstraßen" gebraucht machen mussten.


Insgesamt war die Leipziger Buchmesse eine tolle Erfahrung, sowohl als Literaturjournalistin und Autorin. Ich kann beides sein. Nur eben nicht gleichzeitig.