Sonntag, 19. Februar 2017

Neue böse Wesen und so - Kapitel 16




Verrat

Das Lagerhaus lag etwas außerhalb der Stadt auf einem Gelände einer stillgelegten Firma. Das Firmenlogo war abgehangen worden, sodass nicht mehr zu erkennen war, was hier einmal hergestellt worden war.
Oberhalb der massiven Wände der Halle gab es Fenster, die teilweise durch Holzplatten ersetzt worden waren. Bei einigen hatte man sich sogar nicht einmal mehr die Mühe gemacht, die zerbrochenen Fenster zu verbarrikadieren und kleine Splitter vom vergilbten Glas lagen direkt darunter. Efeu hatte jahrelang auf den Backstein gewuchert und die Wand fast vollständig eingedeckt.
Die Halle schien vier Eingänge zu haben. Auf der Vorderseite ein eingerostetes Schiebetor, ein weiteres auf der rechten Seite und auf der Hinterseite zwei einfach Türen.
Emil, Cornelius und Ina knieten hinter einem wirren Gestrüpp von Ästen und Unkraut, dass vielleicht mal ein Busch gewesen war. Cornelius hatte Emils Aussehen angenommen und sogar Emil musste zugeben, dass die Illusion beinahe perfekt war. Bis auf, dass Cornelius etwas kleiner war, als er, glich er ihm nun wie ein Haar auf das andere. Er hatte sogar die Narbe am linken Oberarm, die Emil sich zugezogen hatte, als er als Kind beim Spielen aus dem Bett gefallen war – oder eher auf die Kante des Bettes.
„Ina, du bleibst hier und hältst Wache.“ Cornelius‘ Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. „Wenn jemand kommt, dann kreischt du laut.“
„Warum darf ich nicht mitkommen?“, zischte Ina.
Emil stieß die Luft aus. „Wir machen es so, wie abgesprochen.“
„Ihr macht mich fertig, Jungs.“ Ina verdrehte die Augen, machte aber keine weiteren Anstalten ihnen noch einmal zu widersprechen. „Viel Erfolg“, hauchte sie und krabbelte dann rückwärts hinter das nächstgelegene Gestrüpp.
Emil sah ein letzte Mal zu Cornelius. Sein Puls raste. Sie wollten es als wirklich probieren.
Zunächst war Emil vehement dagegen gewesen, doch je länger sie diskutiert haben, desto klarer war es ihm geworden, dass sie keine andere Möglichkeit hatten.
Emil hasste den Gedanke, dass Cornelius sein Leben an seiner Stelle riskierte und er klammerte sich an die kleine Hoffnung, dass schon alles so klappen würde wie geplant. Cornelius würde vorgehen, Lilian finden und Emil sollte die Verwirrung nutzen, um mit Lilian zu flüchten.
Das war verrückt. Das war komplett wahnsinnig. Aber es war ihre einzige Chance.
Cornelius nickte Emil zu und erhob sich. Emils Brust durchfuhr ein unangenehmes Stechen. Er würde das wirklich durchziehen.
Das Blut in seinen Fingern pulsierte und er versuchte seinen Kopf leer zu bekommen. Während Cornelius langsam zum Lagerhaus hinüber ging und die Tür inspizierte, starrte Emil auf seine Uhr und zählte die Sekunden mit.
Vier Minuten und dreizehn Sekunden sollte Emil warten, dann sollte er ihm unauffällig folgen. Einen Grund für die krumme Zahl gab es nicht. Cornelius meinte, das bringe Glück. Cornelius verschwand durch die unverschlossene Tür ins Lagerhaus verschwand und ließ diese dabei offen stehen.
Vier Minuten dreizehn war auf jeden Fall eine viel zu lange Zeit, wie Emil feststellen musste. In der Stille die daraufhin folgte, lauschte Emil angespannt, ob er irgendetwas hören würde, dass ihm sagte, was gerade passierte. Doch erst hörte er nur lange Zeit seinen eigenen Herzschlag und ein leises Rascheln von Ina aus dem Gebüsch neben ihm. Im Inneren der Lagerhalle war es totenstill. Das machte ihm Angst.
Irgendetwas musste er doch hören. Oder war die Halle so magisch abgeriegelt, dass kein Geräusch nach außen drang? Hätte er dann nicht trotzdem etwas durch die offene Tür hören müssen?
Er starrte zum Eingang. Noch 33 Sekunden. Dann folgte plötzlich der dumpfe Knall von innen, auf den er zwar irgendwie gewartet hatte, der ihn aber dennoch in Panik versetzte. Es musste etwas schief gegangen sein.
„Was war das?“, flüsterte Ina aufgeregt. Doch Emil antwortete nicht.
Er musste sich zwingen die letzten Sekunden zu warten. Vier Minuten dreizehn, nicht mehr, nicht weniger. Er hatte keine Ahnung, was ihn innen erwarten würde, doch daran zu denken machte es nur schlimmer.
Als der Sekundenzeiger die letzte Runde beendete, richtete er sich auf und eilte zur Tür hinüber. Schnellen Schrittes überwand er die Stufe und fand sich in einem Gang wieder.

Dienstag, 31. Januar 2017

Neue böse Wesen und so - Kapitel 15



Langsame Leitung

Das Mädchen erhob sich von der Stufe und wartete bis Ina und Emil nahe genug waren. Cornelius trug immer noch Shorts und ein schwarzes T-Shirt, das ihm nun, wo der die Gestalt eines Mädchens hatte, deutlich zu groß erschien.
„Wer ist das?“, fragte Cornelius.
„Wer ist sie?“, fragte Ina fast gleichzeitig.
Die beiden Mädchen starrten sich an. Wahrscheinlich hatte Cornelius Angst, Ina dürfte nicht vom Übernatürlichen erfahren und Ina war wahrscheinlich einfach nur so misstrauisch, weil sie es konnte.
„Das ist Cornelius“ Emil zeigte auf Cornelius und danach auf Ina. „Und das ist Ina. Sie weiß von dem ganzen Seherzuegs und ich bin sie einfach nur nicht losgeworden.“
„Hey!“ Ina boxte Emil leicht in den Arm. „Du kannst froh sein, dass ich -“ Sie unterbrach sich selbst. „Cornelius? Emil, ich weiß, dass du damit Probleme hast. Aber das ist eindeutig ein Mädchen.“
„Gestaltwandler“, korrigierte Cornelius sie und Ina klappte erst der Mund auf, dann lief sie rosa an.
„Was machst du hier?“, fragte Emil. Er war froh, dass es Cornelius gut ging. Doch Unruhe machte sich in ihm breit. Warum war er hier? Was war mit Martins‘ Familie?
Emil sah an Cornelius vorbei durch das kleine Küchenfenster des Hauses. Innen war es dunkel und nichts regte sich.
„Einerseits hatte ich gehofft, dass ich hier irgendwen von Martins Familie antreffe, andererseits hatte ich damit gerechnet, dass du früher oder später herkommst. Aber es scheint niemand da zu sein.“
„Niemand?“ Emil schob sich an Cornelius vorbei und drückte auf die Klingel. Das war mehr als komisch. Isabell musste doch eigentlich da sein. Er drehte sich um zur Einfahrt. Dort stand kein Auto. Wahrscheinlich hatte Cornelius Recht, doch Emil hatte gelernt misstrauisch zu sein. Auch wenn Cornelius ihm da wirklich aus der Patsche geholfen hatte. Ohne ihn würde er immer noch in seinem Haus festsitzen. Doch wie war er eigentlich dem Seher entkommen?
„Wie bist du eigentlich dem Seher entkommen?“

Dienstag, 27. Dezember 2016

Lieber Empfänger...

Lange nichts von mir gehört. Aber ich lebe noch! Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ich habe dieses Jahr mal wieder am animexx Fanfiction-Adventskalender teilgenommen und eine Geschichte zum Thema "Weihnachtskarten" verfasst. Es ist eine sehr spontane Geschichte geworden, die ich möglichst schnell fertig kriegen musste. Gerade vor Weihnachten hat man einfach keine Zeit und dann fang ich ja auch immer noch alles auf die letzte Minute an...
Dennoch geht es dieses Jahr mal nicht um Stress, sondern mal wieder um etwas schönes zur Weihnachtszeit.

Eines Tages fällt dem Wichtel bei der Weihnachtspost ein Brief ohne Adressat in die Hände. Sowas sollte eigentlich nicht passieren. Doch anstatt den Brief zurückzuschicken, packte den Wichtel die Neugierde. 



Lieber Empfänger...


Pakete und Briefe rauschten durcheinander über Fließbänder. Ich schaute ihnen nach, bevor sie in hinter Vorhängen in der Abfertigungshalle verschwanden.
Die ganze Halle über mir war voll von Bändern, die übereinander und untereinander herführten, teilweise ihren Weg kreuzten und dann wieder die Richtung umkehrten. Für die meisten wahrscheinlich das größte Chaos,. Doch Weihnachtspost war nunmal keine normale Post und diese Bänder erfüllten ihren Zweck. Nur eben nicht auf die konventionelle Art.
Außerdem musste es schnell werden. Noch vor Weihnachten mussten die abertausenden Pakete ausgeliefert werden und bis dahin waren es nicht einmal mehr zwei Wochen.
Einige der Pakete waren mit hübschen roten Bändern geschmückt, andere in Geschenkpapier eingepackt. Ich fragte mich, warum die Leute sich gerade vor Weihnachten so viel Mühe gaben und den Rest des Jahres nicht.
Auf dem Bildschirm neben mir blinkten die Adressen der Empfänger kurz auf. Alles Namen und Orte, die ich nicht kannte. Sie waren so schnell weg, wie sie gekommen waren. Nur einen Namen hatte ich mir gemerkt, da er mich an die Mittagspause erinnerte. Hamburg
So wie die Brötchen mit Fleisch und Salat gefüllt. Hamburger. Wahrscheinlich gab es an dem Ort dutzende Hamburger in verschiedensten Ausführungen. Mit Käse, Speck, Würstchen...
Ein schrillen Piepen stach in meine Ohren. Die Maschine gurgelte einmal und spuckte mir dann einfach einen Brief in die Hände. Ich kam gerade noch dazu, ihn festzuhalten, dann ging die Maschine ihren üblichen Verpflichtungen nach.
Verwirrt, was gerade passiert war, sah ich zuerst auf den Bildschirm, um eine Erklärung dafür zu finden. Doch dieser gab keine Auskunft, dann sah ich auf den Brief. So etwas war mir in den fünfundzwanzig Jahren bei der Weihnachtspost noch nie passiert. Gerade das Paketeauslesen war doch der leichteste Job.
Ich drehe den Brief in meinen Händen. Ein ganz normaler Brief. Weißes Papier. Ordnungsgemäß zugeklebt, ausreichend frankiert. Ich stockte.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Neue böse Wesen und so - Kapitel 14





Eine große Hilfe

Gib Emil das Handy.
Der Text stand auf den Display so deutlich, als wäre er in Stein gemeißelt. Im ersten Moment dachte Emil, es sei ein Trick, als plötzlich das Handy erneut „plopte“ und ein weiterer Text darunter erschien.
Ich habe deine Freundin
Ina beugte sich nach vorne über das Handy. „Welche Freundin? Das muss ein Fehler sein. Ich bin doch hier!“
Lilian, stellte das Handy klar. Das Teil hat die Nachricht zu früh abgeschickt!
Immer noch starrte Emil das Handy an. Das konnte nur ein blöder Trick sein. Lilian war niemand der sich entführen ließ. Außerdem war es unmöglich, dass jemand wissen konnte, dass Emil gerade hier war. Außer-
„Ein Seher“, murmelte Emil.
„So wie Martin einer ist?“
„Aber warum behauptet er Lilian zu haben?“ Noch bevor Emil die Frage ausgesprochen hatte, formte sich die Antwort in seinem Kopf. „Der Nekromant ist ein Seher.“

Samstag, 28. Mai 2016

Lange Pausen

Jeder kennt es. Irgendwann schlägt das Leben wieder zu und man hat so viel um die Ohren, dass man zu nichts mehr kommt. Man macht nur noch, was gerade dringend ist und alles andere, besonders andere Hobbies bleiben außen vor.
Auch wenn ich in letzter Zeit immer wieder an einem Romanprojekt gearbeitet habe und Kapitel fertiggestellt habe, bin ich wenig vorran gekommen.
Ich hatte lange Blockaden, weil sich Situationen im Text nicht lösen ließen und ich unzufrieden mit dem war, das mich erwartete, wenn ich weiter schreiben würde.
Neue Ideen bringen dann wieder schwung rein und besonders bei "Mit Liebe und viel Alkohol gegen Dämonen und andere böse Wesen" hat es sehr lange geaudert, bis dieser Knoten geplatzt war.
Ich hatte mich in eine Sackgasse geschrieben. Mochte die Szene nicht, in der ich mich befand. Fand die Auflösung zu banal und merkte, dass die Geschichte eigentlich viel länger werden sollte, ich aber zu schnell zum Höhepunkt der Handlung zulief.
Als mir dann klar wurde, dass der Höhepunkt vielleicht nicht das eigentliche Ende der Geschichte sein muss und ich aus dessen Folge dann auch die Szene, die mich störte hatte, endlich gestrichen hatte, ging es wieder vorran. Die Ideen fließen wieder. Ich kann gar nicht abwarten die Ideen umzusetzen!

Sonntag, 27. März 2016

Romantik vs. Realität

Wie funktioniert Romantik in Büchern und Filmen und wie realistisch ist ihre Darstellung?
Seit ich selbst angefangen habe, auch längere Romanzen zu schreiben, hat mich das Thema "Romantik" nicht mehr losgelassen und mir ist so einiges klar geworden. Warum Liebesgeschichten funktionieren und warum so viele keine Liebesromane mögen. Zum Valentinstag habe ich mich in einem Essay mal darüber ausgelassen. Den ganzen Text findet ihr auf der Seite des Bücherstadt Kuriers.

Romantik vs. Realität

Romantik ist ein Konstrukt. Sie ist etwas, das wir selbst erschaffen aus dem, womit wir uns wohlfühlen. In Liebesbeziehungen suchen wir nach Geborgenheit, nach dem Gefühl gebraucht zu werden, nach Sicherheit oder Stabilität. Romantik gibt uns diese Gefühle und unterstreicht damit die Beziehung, die wir führen. Ob wir einen ruhigen Abend verbringen oder einem schönen Naturschauspiel beiwohnen, tun wir dies mit unserem Partner, fühlen wir uns wohl und erwarten, dass es romantisch ist. Die Medien zeichnen uns ein festes Bild von dem, was romantisch ist und dieses Bild wollen wir auch leben, weil wir glauben, dass es sich auf diese Weise gut anfühlt. Doch das Konstrukt von Romantik aus Büchern und Filmen ist weit von der Realität entfernt.

 Weiterlesen auf https://buecherstadtkurier.com

Dienstag, 15. Dezember 2015

Der lange Weg nach Unten


Diese Kurzgeschichte ist im Rahmen eines Zirkelprojektes entstanden. Die Aufgabe war es eine Szene zu einem Lieblingslied zu schreiben. Ich habe mich für "Long way down" von Robert DeLong entschieden. Einfach weil es einen sehr starken Beat hat und  eine kryptischen Text, der mir nicht zu viel Arbeit abnimmt. Und ich mag das Lied.
Das Lied findet ihr zum Beispiel hier.

Der lange Weg nach Unten

Es war das erste Mal seit drei Jahren, dass sich die Männer wiedersahen. Der Anblick des dunkelhaarigen Mannes in der Uniform der Rebellen, ließ ein Grinsen über Renars Gesicht ziehen. Renar zog noch einmal tief durch die Pfeife ein und schmeckte die Süße auf seiner Zunge. Dann legte er diese zur Seite und lehnte sich mit angespannten Muskeln in seinem Schreibtischstuhl zurück.
„Was willst du hier?“ Renar wusste, was es bedeutete, wenn Krest hier einfach reinmaschierte. Er musste diverse Sicherheitskontrollen überwunden haben und Renar war sich sicher, dass er dabei niemanden verschont hatte.
Die Tür fiel krachend hinter Krest ins Schloss. „Ich will reden.“

Montag, 14. Dezember 2015

Kerzenlicht

Für den Bücherstadt Kurier Adventskalender habe ich mich mal wieder an etwas Weihnachtliches gesetzt und eine Kurzgeschichte geschrieben. :) Man merkt glaube ich an dem Text, dass ich momentan sehr viel um die Ohren haben. An allen Stellen gibts was zu tun und meine freiwilligen Tätigkeiten halten mich ganz schön auf Trab. Dabei habe ich mir noch wenig Gedanken über Weihnachten selbst gemacht.
Man nennt es zwar Weihnachtsstress, aber ich glaube am Ende des Jahres fällt mit einem Mal einfach viel zu viel gleichzeitig an. Letztens in der Bahn hat es das Mädchen neben mir sehr treffend in den Chat auf ihrem Handy geschrieben: Im Dezember werden die Tage immer "kürzer". 
Nichtsdestotrotz ist es natürlich eine weihnachtsliche Geschichte über eine besinnlichen Weg mit dem Stess umzugehen.


Kerzenlicht

Der Papierstapel wollte einfach nicht kleiner werden. Ich zog das oberste Blatt hinunter und begann damit, die Daten darauf in den Rechner zu übertragen. Name, Geburtsdatum, Adresse, dann einen Haken bei den entsprechenden Punkten setzen.
Vor Weihnachten kamen immer besonders viele Formulare rein. Vielleicht weil die Leute in dieser Zeit anders lebten? Dabei war es doch nicht anders, als jede andere Zeit im Jahr. Bis auf den Stress, den man sich machte, um für jeden ein Geschenk zu bekommen.
Da würde ich morgen auch noch durch müssen. Dabei hatte ich doch überhaupt keine Idee, was ich verschenken sollte. Schon der Gedanke daran, sich durch überfüllte Käufhäuser schieben zu müssen, verdarb mir die ohnehin schon schlechte Laune. Sogar für Internetbestellungen war es jetzt schon zu spät.
Die Deckenleuchten im Büro waren bereits erloschen und nur die Schreibtischlampe tauchte die Formulare in gelbes, körniges Licht. Ich versuchte die krakelige Handschrift auf dem Papier zu erkennen. Ich hatte heute schon so viel Namen gelesen, dass sie mir mittlerweile alle gleich vorkamen.

Sonntag, 4. Oktober 2015

30 days Writing Challenge - Tag 4

Momentan nehme ich an einer 30 days Writing Challenge von der lieber Vickie teil. Ihr Ansatz ist dabei das Handwerk schreiben eventuell von anderen Seiten zu betrachten und wirklich etwas für sich und das eigene Schreiben dabei mitzunehmen. Diesen Ansatz finde ich unglaublich spannend und fiebere jeden Tag der neue Aufgabe entgegen, die mich erwartet.
Momentan habe ich nämlich große Probleme Sätze auf Papier zu bringen. Ich hoffe das wird dadurch besser. Heute habe ich auch mal wieder etwas längeres geschrieben, wobei es deutlich einfacher ist zu schreiben, wenn man kein Ziel hat, niemanden der es danach beäugt. Das muss ich mir wieder angewöhnen.

Hier also mein Text von Tag 4.
Aufgabe: 
Nehmt eine Szene, mit der ihr noch nicht zufrieden seid, und bei der ihr eine stimmungsvollere Atmosphäre schaffen wollt – sie kann auch aus eurer Rohfassungen oder in ganz alten Manuskripten stammen – und überarbeitet sie hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen.

Ich habe es mir leicht gemacht und eine extrem alte Szene genommen, die aus einer alten Version meines Romans stammt. Die Namen waren damals noch anders und ich hoffe ich habe mich deshalb nirgendwo verschrieben.
Es hat Spaß gemacht die alten Charaktere wieder aufleben zu lassen, auch wenn sie den neuen nicht unähnlich sind. Sie haben nur ihre kindliche Leichtigkeit noch, die sie mittlerweile abgelegt haben. Ich liebe aber hier diese kleine Sticheleien zwischen den Charakteren. Eleanor (später Elean, man merke die Wegrationalisierung der Endung) ist hier erst dreizehn. In meiner Überarbeitung würde ich bei ihr eher auf 15 tippen. Während Jakob (später Jareth) ein Jahr älter ist. Interssant ist hier, dass Eleanor auch schon in der alten Version ein bisschen "gespürt" hat. Jetzt eben nur richtig.

Fun Fact: Ich wollte an einer Stelle schreiben "Licht emittierte". Mein Studium macht mich fertig. Ich muss zu oft über (radioaktive) Strahlung schreiben!

Sonntag, 7. Juni 2015

Neue böse Wesen und so - Kapitel 13

 




Mehr oder weniger glückliche Zufälle

 
„Ina Merzenich.“
Das war Inas Stimme. Daran zweifelte Emil nicht. Doch er war wie erstarrt und bekam keinen Ton heraus.
„Hallo?“, fragte Ina am anderen Ende, weil sich niemand meldete.
Emil öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch dann knackte die Leitung und das übliche Hintergrundrauschen verschwand.
„Ina?“, schaffte Emil endlich zu sagen, doch sie hörte ihn nicht mehr, denn der Anruf war beendet. Das sagte ihm das Display. Er konnte es einfach nicht glauben.
Mit rasendem Herzen wählte er die Nummer erneut, doch es kam kein Freizeichen mehr.
Verzweifelt versuchte er es noch dreimal und mit zwei verschiedenen Telefonhörern im Haus. Dann hielt er inne, als er den Blick aus seinem Zimmerfenster im ersten Stock  richtete und er unten im Garten den Mann erblickte. Das war der Seher. Er war es, der die Telefonleitung blockierte.
Alles in Emil zog sich zusammen und er fühlte sich, als würde er im nächsten Moment explodieren. Egal welche Gründe es hatte. Der Seher hielt ihn einfach davon ab herauszufinden, was los war, und er konnte nichts daran ändern. Warum tat er das? Was gab ihm das Recht ihm jetzt auch noch das telefonieren zu verwehren? So konnte er niemals herausfinden, was hier los war. Warum konnte Ina immer noch ans Telefon gehen? Warum war sie wie immer? War ihr nichts geschehen? Hatten sie nur ihr Gedächtnis gelöscht? Aber wo war dann Martin?
Genervt klopfte Emil gegen die Scheibe. Der Seher sah auf und schüttelte wie schon am Morgen nur den Kopf. Emil verzog das Gesicht zu einer Grimasse und drehte sich um. Etwas stimmte nicht. Warum sollte er nicht mit Ina reden? Er hätte ihr doch niemals alles erzählt. Das Risiko wäre zu hoch gewesen. Warum also, konnte er sie nicht mehr erreichen. Sie war doch eben noch am Telefon gewesen.
Emil ballte die Hand um das Telefon zu einer Faust. Er musste herausfinden, was passiert war. Doch er konnte dieses blöde Haus nicht verlassen.
Oder konnte er es doch? Mit der freien Hand langte nach dem Fenstergriff. Er versuchte ihn zu drehen, doch er war wie fest zementiert und ließ sich wie die Tür unten nicht öffnen. Aber es musste doch irgendein Fenster geben, das nicht verschlossen war. Sofort drehte er sich um und stürmte nach unten. Doch schon beim zweiten Wohnzimmerfenster zuckte er zurück, als der Seher direkt von der anderen Seite davor stand und wieder nur den Kopf schüttelte.
Diesmal fiel Emil der niedlichen Katzenaufdruck auf seinem T-Shirt direkt auf und beruhigte ihn sofort. Doch dann ließ ihn das Geräusch, der Tür, die im Flur aufging und wieder ins Schloss fiel, aufhorchen. Alarmiert spannten sich alle Muskeln in seinem Körper. Er sah zu dem Seher, den es scheinbar wenig interessierte, das jemand gerade ins Haus gekommen war. Das bedeutete hoffentlich, dass es nur eines seiner Elternteile war, die frühzeitig nach Hause gekommen waren
Mit unsicheren Schritten ging Emil zur Tür hinüber, die in den Flur führte und sah um die Ecke. Verwunderte erblickte er seine Mutter am anderen Ende des Flurs, die ihn genauso erstaunt anstarrte. Sie trug ein hellgraue Kostüm von dem sogar Emil wusste, dass seine Mutter so etwas nie tragen würde.
Noch bevor Emil einen klaren Gedanken fassen konnte, legte die Person, die vorgab seine Mutter zu sein, den Finger auf die Lippen. Sie hielt ein DinA4 Blatt hoch mit den Worten:
 Ich bin nicht deine Mutter.